Spezial: Oligarchen

Russlands Superreiche im Oberland

Demonstration am 3. März 2022 in Rottach-Egern: 300 Menschen setzten ein Zeichen für Frieden und unterstützten meine Botschaft an Oligarch Alsher Usmanow
Merkur-Artikel © Westend61/Yuri Kochetkov/IMAGO/dpa (Archivbilder/Montage)


Demonstration mit klarer Botschaft:

"Nutzen Sie Ihren Einfluss bei Putin und helfen Sie,
den Krieg zu beenden!"

Da in meinem Heimatort Rottach-Egern mit Alisher Usmaonw einer der einflussreichsten Oligarchen zeitweise lebt, habe ich eine Demonstration für den Freiden organisiert und eine Botschaft an Herr Usmanow gesendet: er möge seinen Einfluss bei Putin geltend machen, sich mit seinen Oligarchenkollegen zusammentun, um Druck auf Putin ausüben, damit dieser den Krieg beendet.

Zur Demo kamen 300 Menschen – soviel wie wohl noch nie für eine Kundgebung am Tegernsee. Das Medieninteresse war enorm. Alle namhaften Printmedien und viele Fernsehsender waren vor Ort.

Eine Botschaft an Herrn Usmanow zu schicken und ihm seine Nähe zu einem Kriegsverbrecher vorzuwerfen ist im Grunde ein einfacher und logischer Gedanke, wenn man solch einen Nachbarn im Ort hat! Für mich ist es eine moralische Verpflichtung, nicht einfach wegzuschauen, wie es leider sehr viele – auch in Amt und Würden – geatan haben und immer noch tun!
Die Empörung vor und nach der Demo war groß und es hagelte Hassmails und ein Telefonanrufer bschimpfte mich sogar als „Nazischwein“ (nach meiner Anzeige wurde das Verfahren leider eingestellt). Aber es kamen auch viele Glückwünsche und positive Nachrichten!

Warum diese Aufregung? Weil viele im Tegernseer Tal gute Geschäfte machten mit Herrn Usmanow und man seine Ruhe haben will.

Unser Ort hat jahrelang von ihm profitiert. Die Gmeinde über Zweitwohnujngssteuer (ca. 35.000 Euro / Jahr), Gastronomie, Hotelerie und Einzelhandel durch enorme Umsätze und die Handwerker freuten sich über Aufträge für seine drei großen Villen.
Alles keine große Sache in letzten Jahren, aber nicht mehr hinnehmbar seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine. Die Oligarchen haben sich nicht von Putin distanziert, ganz im Gegenteil. Damit wurde eine rote Linie überschritten und ein Ignorieren ist, jedenfalls für mich, unmöglich. Menschen, die mit Kriegsverbrechern gemeinsame Sache machen, können nicht mehr entspannt ihren Urlaub am Tegernsee genießen. Und von Ihnen darf man auch kein Geld mehr annehmen!

Der Vorwurf, es träfe den falschen, erübrigte sich, als am Tag nach der Demo Herr Usmanow auf die Sanktionsliste der EU kam (siehe Bild links).

Seitdem gab ich unzählige Interviews, sogar die New York Times berichtete, und ich machte die Steuerfahndung auf 2 Luxusautos aufmerksam, die in einer Tiefgarage versteckt waren und wohl von Herrn Usmanows Vermögen „gerettet“ werden sollten. Mit Ricarda Lang, der Grünen Bundesvorsitzenden, sprach ich über unser Oligarchen-Problem, und die Bundesregierung hat reagiert: ein Sanktionsdurchsetzungsgesetz wurde verabschiedet, das das Einfrieren, Beschlagnahmen und Verwerten von Oligarchenvermögen in Deutschland regeln soll. Ein guter Weg, den andere Länder schon längst gehen. Deutschland stochert aber noch im Trüben, da Firmen und Vermögen über Scheinfirmen und Ströhmänner verschleitert und die Besitzverhältnisse sehr verworren angelegt sind.

Diese Oligarchen-Geschichte steht sinnbildlich für das Problem, das wir am Tegernsee haben: Wohnraum geht an den Meistbietenden. Junge Familien haben keine Chance und werden verdrängt!
Diese Entwicklung ist nicht nachhaltig und schädigt langfristig unseren Ort und unser Zusammenleben.

Ein sehr guter Artikel in der Augsburger Allgemeinen Zeitung bringt das Thema auf den Punkt. Zum Lesen hier klicken….

Atikel in der Bildzeitung
Alisher Usmanow auf der Sanktionsliste der EU
Beitrag in den ARD Tagesthemen
Fernsehbeitrag in Spiegel-TV
Artikel in der ZEIT - zum Lesen bitte anklicken
Augsburger Allgemeine Juni 2022
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